Von Gehbeschwerden, Geziefer und Getier

 

 

 

Die beste Art und Weise mit einer Blase umzugehen, ist: sie zu vermeiden. Ich wiederhole mich vermutlich, dennoch: Fußpflege vor und während des Camino ist das A und O. Folgende Tipps helfen Blasen zu vermeiden:

Es muss nicht immer Hirschtalgcreme sein, eine gute Fußpflegecreme, Mandelöl, Urea-Creme, Vaseline oder sogar Wick-Vaporub sind ebenfalls gut geeignet die Füße geschmeidig zu halten. Zweimal täglich während des Wegs die Füße eincremen hilft ungemein. Pilger, die morgens, bevor sie aufbrechen, duschen oder unterwegs die Füße in einem Bach abkühlen, brauchen sich über Blasen nicht zu wundern. Feuchte Füße werfen schneller Blasen als Asphalt in der Mittagssonne.


Qualitätssocken und gute, bequeme, gut eingelaufene Schuhe sind ein weitere Plus-Punkt. Angeblich, ich selbst habe es nie getestet, soll ein paar dünne (Nylon)Söckchen über die man dann die Wandersocken zieht, vor Blasen schützen. Die physikalische Erklärung hierfür lautet, dass die Reibung zwischen den beiden Socken und nicht zwischen Socke und Fuß stattfindet. Da Physik nie mein Lieblingsfach war und Nylonsocken mir einfach nicht stehen, kann ich diese Empfehlung weder bestätigen, noch davon abraten.


Wie schon einmal erwähnt: Ein sauberer, gepflegter Fuß ist meistens auch blasenfrei. Wenn Du nun wirklich Blasen bekommen hast: die kleinen Reibungsbläschen, die sich nicht direkt unter dem Fuß befinden, sondern eher rund um die Zehen, einfach abpflastern, z.B. mit einem Blasenpflaster. Blasenpflaster sind toll, aber nur für diese kleinen Bläschen. Bei großen Blasen, besonders bei solchen unter dem Fuß, muss man anders vorgehen. Vorsichtig punktieren. Die Flüssigkeit abtropfen lassen oder sachte herausdrücken. Auf keinen Fall die Haut entfernen! Sanft desinfizieren mit Jodlösung, medizinischem Alkohol oder Desinfektions-Spray, ein normales Pflaster so auftragen, dass die Wundfläche auf keinen Fall mit der Klebfläche des Pflasters in Berührung kommt und wenn nötig zum Schutz noch mit einem Tape oder Mullverband versehen. Wenig auftreten und die ganze Sache abheilen lassen.

Wer sich unsicher ist: in vielen Albergue kennt man sich mit Blasen aus. Blasendoktor ist ein aufstrebender Berufszweig entlang des Camino.

 

Die einzigen Menschen, die ein nahezu inniges Verhältnis zu Bettwanzen pflegen, sind angeblich gebürtige New Yorker. Für den Rest der Welt gelten die nun folgenden Informationen.

Bettwanzen sind lästig, aber nicht lebensbedrohlich. Meistens zumindest. Allergiker können eine Ausnahme bilden. In so einem Fall hilft Cortison. Meistens. Wanzen sind schwer zu töten und fast schon immun gegen Chemie jeglicher Art. Bis auf DDT und das ist seit den 60ern wegen der üblen Nebenwirkungen verboten. Wanzen sind reisefreudig, aber faul. Sie lassen sich daher gern im Pilgergepäck von Herberge zu Herberge tragen.


Ähnlich wie andere lichtscheue Elemente drücken sie sich gern in  dunklen Ecken und Nischen herum. Die Unterseite und das Innere einer Matratze sind ein potentieller Lebensraum für die Bettwanze.  Was kann man also tun, um das Problem so weit wie möglich zu vermeiden? Herbergen, die mit Kunststoff- oder Metallbetten ausgestattet sind, ziehen zwar auch nicht weniger Wanzen an, als die mit den Holzbetten, bieten aber weniger Tummelplatz für die Käferchen. Metallbetten bieten schon mal kein so großes Versteckpotential wie ein Holzbett. Keine Ritze – keine Wanze. Je beliebter ein Bett in der Herberge ist, desto höher ist das Wanzenrisiko. Du kennst das sicher: alles was die Masse offensichtlich anzieht, begünstigt auch die Nebenwirkungen. Es ist wie mit den Mauerblümchen. Weiterhin solltest Du versuchen, den Kontakt von deinem Rucksack mit den Etagenbetten zu vermeiden. Wer nicht zur Höhenangst neigt, sollte oben liegen. Das untere Bett wird meist früher verwanzt als das obere. Je weniger Körperteile unbedeckt sind, desto besser. Ein guter Grund für ein Seideninlett, das die Wanzen zusätzlich vom Körper fernhält.  Insektizide (und die meisten funktionieren nur bedingt) sollte man mit Sorgfalt aussuchen und am besten zuhause bereits den Schlafsack oder das Inlett imprägnieren. Auf gar keinen Fall sollte jemand auf die abenteuerliche Idee kommen im Schlafsaal Insektizid zu versprühen.  Es ist schwer zu sagen wer Dich in so einem Fall zuerst in den Hintern tritt: Der Hospitaleiro oder Deine Mitpilger.  Denk daran: Die Wahrscheinlichkeit nicht gebissen zu werden, ist relativ groß. Selbst in Herbergen, in denen ganz offensichtlich Bettwanzen daheim sind, stehen etliche Pilger, am nächsten Morgen, vollkommen unbeknabbert auf. Manche Leute werden einfach nie gebissen. Es besteht also kein Grund zur Panik. Wanzenbisse sind leicht erkennbar. Wanzen stehen auf Geometrie. Ihre Stiche verlaufen für gewöhnlich in einer geraden Linie. Sind die Stiche kreuz und quer, ist entweder ein Schwarm Moskitos über Dich hergefallen oder Du hast Flöhe. Auch das wäre nur ein temporäres Ärgernis. Wenn es zu arg juckt, besorg Dir in der Apotheke Cortisonsalbe. Bettwanzen sterben bei Hitze. Wenn du also den Verdacht hast, Deine Sachen sind infiltriert: Pack alles in eine Waschmaschine und / oder einen Trockner. Wenn beides nicht greifbar sein sollte und es gerade sommerlich heiß ist, pack deinen Rucksack in einen schwarzen Müllbeutel und lass die Viecher darin vor sich hinschmoren. Zumindest bis Du die Chance auf eine Waschmaschine hast. Eins steht fest: Hauptsaison ist Wanzenzeit. Im Frühling hingegen ist das Risiko noch ziemlich niedrig.

 

 

Und somit kommen wir zur sonstigen spanischen Fauna.

 

Es gibt wildes, freilebendes Getier in Spanien. Mit Klauen, Schnäbeln, Zähnen, Fängen, Krallen, Federn, Fell, Schuppen und Panzern. Mit anderen Worten: Raubvögel, Wölfe, Vielfraße, Marder, Füchse, Dachse, Bären, Echsen, Schlangen, Spinnen, Skorpione und ähnliche Lebensformen. Übrigens: wusstest Du, daß Skorpione und Spinnen enge Verwandte von Hummern, Langusten und Shrimps sind? Faszinierend, nicht wahr?

Die Chancen eine der oben genannten Lebensformen leibhaftig auf dem Camino zu treffen sind relativ gering. Störche sieht man des Öfteren, ebenso Schafe und Schäferhunde sowie gelegentlich mal einen Fuchs und mit ganz viel Glück, weit oben am Himmel kreisend, einen Raubvogel. Die riesigen Schäferhunde, die selbständig auf die Herden aufpassen sind beeindruckend aber harmlos. Die Mythen über grausame, wilde Hunde basieren auf einem missglückten Gleichnis von Paul Coelho. Falls Du zu der Sorte Leute gehörst, die Angst vor Hunden haben: ruhig bleiben, den Hund ignorieren, nicht rennen und Selbstbewusstsein zeigen. Zur Vorbereitung empfehlen sich ein paar Folgen „Martin Rütter“ im Fernsehen.

 

 

 

(aus: Ohne Schmerz kein Halleluja)